Ellenbogenluxation und Ellenbogeninstabilität

Einleitung
Eine Ellenbogeninstabilität entsteht meistens durch einen Unfall, kann jedoch auch durch wiederkehrende Überbelastungen (repetitive Belastungen) ausgelöst werden. Dies zum Beispiel bei der in Amerika typischen inneren Ellenbogeninstabilitäten bei Baseball- Pitchern.

Anatomie


Bild 1: Hier sieht man das Innenband des Ellenbogens, welches massgeblich für die innere Stabilität des Ellenbogens verantwortlich ist. In gelb ist der wichtige Nervus ulnaris (= „Narrenbein“, „Musikantenknochen“) markiert.


Bild 2: Auf diesem Bild erkennt man die Aussenbänder, hier ist vorallem das sogenannte LUCL das wichtigste Band am Bereich des äusseren Ellenbogens.

Pathomechanismus der Ellenbogenluxation

Auf den Bildern ist zu erkennen, wie eine Ellenbogenluxation zustandekommt. Meist liegt ein Sturz auf die Hand bei ausgestreckten und aussenrotiert Ellenbogen vor. Hierdurch kommt es zu einer Abscherung nach hinten des äusseren Ellenbogens, welche dann je nach Schweregrad sich bis nach Ihnen durchzieht. Entsprechend häufiger sind auch die Aussenbänder betroffen. Bei einer Ellenbogenluxation muss nicht nur ein Bruch ausgeschlossen werden, sondern auch die Seitenbänder kontrolliert werden sowie auch Knorpelabscherungen im Auge behalten werden.
Quelle: Expertise Ellenbogen, Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-174981-9, Herausgeber: Lars Peter Müller, Boris Hollinger, Klaus Burkhart. Kapitelautoren: Boris Hollinger, Andreas Lenich

Symptome des Patienten
Ellenbogeninstabilität: Bei der Ellenbogeninstabilität wird selten wie bei anderen Gelenken eine eigentliche Instabilität verspürt, vielmehr kommt es zu einem Tennis- oder Golferellenbogen sowie zu einer Bewegungseinschränkung, hier vor allem der Streckung. Häufig liegen auch Schmerzen im Bereich des Ellenbogens innen und aussen vor.

Ellenbogenluxation: Eine Ellenbogenluxation muss zügig reponiert werden, da der Ellenbogen vorne und auf den Seiten wichtige Gefässe und Nerven aufweist, welche durch eine Ellenbogenluxation in Mitleidenschaft gezogen werden können.
Ist die Luxation (Verrenkung) reponiert, d.h. wieder an den korrekten Ort zurückgebracht, muss die Ellenbogenstabilität getestet werden. Innert 2 Wochen sollte dann eine weitere Arztkonsultation erfolgen, um das Bewegungsausmass zu testen.

Diagnostische Massnahmen
Ellenbogeninstabilität:
– Röntgenbilder in 2 Ebenen zur Beurteilung der Gelenksoberflächen sowie das Vorhandensein einer gegebenenfalls Arthrose sowie Verkalkungen
– Optimalerweise ein sogenanntes ARTHRO-MRI (mit Kontrastmittel), in seltenen Ausnahmefällen auch einfaches (natives) MRI ohne Kontrastmittel. Hier ist ein Hochauflösendes MRI sicherlich sinnvoll. Die Merian Iselin-Klinik ist zum Beispiel mit so einem ausgestattet
– Weitere Untersuchungen sind selten nötig

Ellenbogenluxation:
– Auch hier müssen Röntgenbilder in 2 Ebenen durchgeführt werden, je nachdem muss das Radiusköpfchen noch separat aufgenommen werden
– Ein MRI bei der akuten Luxation ist selten gewinnbringend, dies jedoch in einem Intervall von 2-4 Wochen nach dem Unfall sinnvoll.

Therapeutische Möglichkeiten
Ellenbogeninstabilität: Liegt eine symptomatische Instabilität durch Bandausrisse oder Überdehnung vor, lohnt sich die Rekonstruktion der Bänder mittels Sehne. Diese kann entweder vom sogenannten Trizeps am Ellenbogen selber genommen werden oder vom sogenannten Palmaris Longus am Unterarm. Hierdurch kann das Band innen oder aussen stabilisiert werden.

Ellenbogenluxation: Selten muss bei einer „einfachen“ Ellenbogenluxation primär operiert werden. In der Regel ist ein sogenanntes konservatives Vorgehen ohne Operation zunächst angezeigt. Sollten sich dann im Verlauf der Behandlung gewisse Instabilitäten einstellen, sollten diese angegangen werden. Bei „komplexen“ Ellenbogenluxationen mit Knochenbrüchen muss die knöcherne Situation evaluiert werden und ggf. die Knochenbrüche repariert werden. Meist wird in der gleichen Operation auch der Bandapparat rekonstruiert.

Postoperatives Procedere
Das postoperative Procedere richtet sich nach der Art der Verletzung und Rekonstruktion. In der Regel hat der Patient eine Ellenbogenschiene für 6 Wochen.